02 · ICH WETTE AUF DEN HORIZONT „In achtzig Tagen um die Welt?“ Ein Lachen. Dann ein Stuhl, der rückt. „Ich bin am einundzwanzigsten Dezember um dieselbe Stunde hier zurück.“ Die Zeitung liegt wie eine Brücke auf grünem Filz vor meiner Hand. Ein roter Strich zieht durch die Meere, ein Zug verbindet Land mit Land. Sie sprechen laut von Sturm und Grenzen, von einem Fahrplan, der zerbricht. Ich leg die Uhr auf ihre Zweifel und sehe ihnen ins Gesicht. „Zwanzigtausend Pfund“, sag ich. Kein Glas bewegt sich mehr. Dann höre ich mich selber fragen: „Nun, meine Herren – bitte sehr.“ I bet my life on the horizon, put my name against the sky. Let them say the world’s too wide— there is only one way to try. Eighty days to chase the morning, eighty nights beneath the stars. Leave a light inside the window. I’ll come back from worlds afar. Zu Hause steht mein neuer Diener noch zwischen Mantel, Hut und Tür. „Wir reisen ab.“ Er nickt und lächelt: „Fürs Wochenende, nehme ich an?“ „Ein kleiner Koffer. Keine Kisten. Das Nötigste. Wir müssen los.“ Er schaut mich an. „Und unser Ziel ist?“ Ich sage: „Einmal um den Globus.“ „Und wann zurück?“ – „In achtzig Tagen.“ „Und heute noch?“ – „Der Zug geht bald.“ Er schließt den Mund. Dann seinen Koffer. Zum ersten Mal wird Eile laut. I bet my life on the horizon, put my name against the sky. Let them say the world’s too wide— there is only one way to try. Eighty days to chase the morning, eighty nights beneath the stars. Leave a light inside the window. I’ll come back from worlds afar. Die Haustür fällt ins Schloss wie immer. Doch diesmal bleib ich draußen stehn. Im oberen Stock brennt noch ein Zimmer. Ich kann mein leeres Fenster sehn. Ein Mensch kann jahrelang hier wohnen, die Straße kennen, Stein für Stein. Und erst mit einem Schritt ins Dunkel zum ersten Mal unterwegs sein. „Die Fahrkarten?“ – „In meiner Tasche.“ „Das ganze Geld?“ – „Sehr gut verwahrt.“ Er grinst: „Dann kann ja nichts mehr fehlen.“ Da pfeift der Zug zur ersten Fahrt. I bet my life on the horizon, put my name against the sky. Let the city fade behind us, let the sleeping windows fly. Eighty days to chase the morning, eighty nights beneath the stars. Leave a light inside the window. We’ll come back from worlds afar. Passepartout lehnt sich ans Fenster. „Monsieur? Wir sind tatsächlich fort.“ Ich seh auf meine Uhr. Dann nach draußen. „Ja. Und morgen schon woanders.“